Zen und die Kunst des Krieges

Ein wesentlicher Teil der Zen-Lehre befaßt sich mit der Erlösung des menschlichen Honsho, des wahren Charakters. Es handelt sich dabei um einen Vorgang des Abstreifens aller Elemente, bis nur noch der Zustand des Mu (Leere,Nichtsein) erreicht ist. Diese Haltung ist mit den esoterischen Meditationsübungen des Shinto identisch.

Für den Samurai liefert der Shintoismus die Atmosphäre, der Konfuzionismus den Sittenkodex und Zen den Stil in Frieden und Krieg. Diese japanische Trinität war jedoch niemals symmetrisch.

Die Herstellung und Handhabung des einmaligen Samurai-Schwertes ( Katana ) zeigten den Einfluß dieser Trinität. Die Klingenherstellung war eine feierliche Handlung nach altüberliefertem Ritual, wobei der Schmiedemeister sich täglich mit rituellen Waschungen reinigte. Daraufhin erhitzten und hämmerten er und seine Gesellen, von der Welt völlig abgeschlossen, bis die Klinge geschmiedet war. Diese Prozedur dauerte einige Wochen und war von Anfang bis Ende vom Ethos des Shinto durchdrungen.

Das Schwert mußte den Dienst des Samurai seinem Fürsten gegenüber fördern. Diese Pflicht der Treue wurde vom konfuzianischen Sittenkodex untermauert. Niemals sollte das kostbare Schwert zu einem anderen Zweck benutzt werden. Sobald es aber einmal gezogen war, wurde es im Geist des Zen gehandhabt. Denn vor allem die Fechtkunst war es, die der Samurai für die bedeutendste Manifestation des Zen hielt. Die beiden Schwerter (Katana/Wakisashi) mit der Schneide nach oben getragen, waren die geachtetsten materiellen Besitztümer des Samurai - sie waren das Statuszeichen und Symbol für die Ritterehre. Zwar konnte auch der Gebrauch von Bogen, Speer, Naginata und später der Muskete ( mit glattem Lauf ) verfeinern, doch war das Schwert die Seele des Samurai.

Für den idealen Krieger war der Weg des Samurai ein Weg des Todes. Es war stets von großer Bedeutung, das die Todesart keine Spur von Unehre trug. So galt es als unheilvoll, mit dem geringsten Gedanken an den Tod in den Kampf zu ziehen. Der vollkommene Kämpfer sollte nicht einmal an den Sieg denken. Diese Selbstzucht konnte aber nur durch lange und strenge Übungen des Zen erreicht werden.

Stephan Simon

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